Sjælland · Geschichte

Køge: Fachwerkhäuser und Hexenprozesse

Dänemarks größte zusammenhängende Altstadt birgt das älteste Fachwerkhaus des Landes von 1527. Am ehrwürdigen Rathaus fanden die berüchtigten Hexenprozesse statt – ein düsteres Kapitel der dänischen Geschichte.

12 Min. Lesezeit
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Geschichte und Schönheit vereint: Køge, nur 40 km südlich von Kopenhagen, ist eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die größte zusammenhängende Altstadt Dänemarks beeindruckt mit über 300 denkmalgeschützten Gebäuden aus dem 16. bis 18. Jahrhundert – und verbirgt eine dunkle Geschichte, die bis heute nachwirkt.

Die historische Altstadt

Køges Altstadt ist ein architektonisches Juwel von europäischem Rang. Über 300 historische Gebäude säumen die engen Gassen und den malerischen Marktplatz. Die Stadt erhielt bereits 1288 Stadtrechte und entwickelte sich im Mittelalter zu einem der wichtigsten Handelshäfen Dänemarks.

Der große Marktplatz Torvet bildet das Herzstück der Altstadt. Mit einer Fläche von über 8.000 Quadratmetern ist er einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Skandinaviens. Hier pulsierte einst der Handel mit Getreide, Fisch und Vieh – und hier wurden auch die düsteren Kapitel der Stadtgeschichte geschrieben.

Die bunten Fachwerkhäuser, liebevoll gepflegt und restauriert, erzählen von einer Zeit, als Køge einer der wohlhabendsten Orte des Königreichs war. Noch heute herrscht auf dem Torvet an Markttagen reges Treiben – jeden Mittwoch und Samstag verwandelt sich der Platz in einen lebendigen Markt.

Køge in Zahlen

1288Stadtrechte seit
300+hist. Gebäude
1527ältestes Fachwerkhaus
~62.000Einwohner

Das älteste Fachwerkhaus Dänemarks

In der Kirkestræde 20 steht ein unscheinbares, aber historisch bedeutsames Gebäude: das älteste datierte Fachwerkhaus Dänemarks. Eine Inschrift im Gebälk verrät das Baujahr 1527 – das Haus ist damit fast 500 Jahre alt.

Das schmale, zweistöckige Gebäude mit seinem charakteristischen roten Fachwerk wurde ursprünglich als Kaufmannshaus errichtet. Die Konstruktion folgt der typischen dänischen Fachwerktechnik der Renaissancezeit: massive Eichenbalken bilden das Gerüst, die Gefache sind mit Ziegeln ausgefacht und weiß gekalkt.

Besonders bemerkenswert ist der Erhaltungszustand. Während viele Fachwerkhäuser im Laufe der Jahrhunderte stark verändert wurden, hat dieses Gebäude seine ursprüngliche Struktur weitgehend bewahrt. Heute beherbergt es ein kleines Museum, das Einblicke in das Alltagsleben im 16. Jahrhundert gibt.

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Insider-Tipp: Kirkestræde

Die gesamte Kirkestræde (Kirchenstraße) ist ein Spaziergang wert. Neben dem ältesten Fachwerkhaus finden Sie hier eine Reihe weiterer gut erhaltener historischer Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Achten Sie auf die Details: geschnitzte Türrahmen, alte Fensterbeschläge und die charakteristischen Kopfsteinpflaster.

Die Hexenprozesse von Køge

Køge ist auch Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel der dänischen Geschichte: der Hexenprozesse von Køge. Zwischen 1608 und 1615 wurden hier mindestens 15 Frauen als vermeintliche Hexen angeklagt, gefoltert und hingerichtet – mehr als in jeder anderen dänischen Stadt in diesem Zeitraum.

Die Prozesse fanden im Rathaus am Torvet statt – demselben Rathaus, das bis heute als Wahrzeichen der Stadt dient. Die Angeklagten wurden in den Kellern des Rathauses gefangen gehalten und unter Folter zu Geständnissen gezwungen. Die Hinrichtungen erfolgten auf dem Scheiterhaufen vor den Toren der Stadt.

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Ein düsteres Kapitel

Die Hexenverfolgungen in Køge waren Teil einer europaweiten Hysterie. Allein in Dänemark wurden zwischen 1536 und 1693 etwa 1.000 Menschen als Hexen hingerichtet – die große Mehrheit davon Frauen. Køge gehörte zu den Orten mit den intensivsten Verfolgungen. Die letzte Hexenhinrichtung in Dänemark fand 1693 statt.

Der „Køge Huskors" – Ein besonderer Fall

Besonders berüchtigt ist der Fall des „Køge Huskors" (Køger Hauskreuz) von 1608-1612. Alles begann, als in mehreren Häusern der Stadt mysteriöse Kratzgeräusche und Klopfzeichen gehört wurden. Die Bewohner glaubten, von bösen Geistern heimgesucht zu werden.

König Christian IV. persönlich ordnete eine Untersuchung an. Was folgte, war eine Welle von Anklagen: Mehrere Frauen wurden beschuldigt, durch Hexerei die „Hausgeister" herbeigerufen zu haben. Unter Folter gestanden sie und beschuldigten weitere Frauen.

1608

Der Beginn

Erste Berichte über mysteriöse Geräusche in Køger Häusern. Die Hysterie beginnt.

1609

Königliche Untersuchung

Christian IV. schickt Beamte nach Køge. Erste Verhaftungen und Verhöre unter Folter.

1612

Massenhinrichtungen

Mindestens 11 Frauen werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1615

Letzte Hinrichtungen

Die Verfolgungswelle ebbt ab. Insgesamt mindestens 15 Frauen wurden hingerichtet.

„Die Frauen, die in Køge als Hexen verbrannt wurden, waren keine Hexen. Sie waren Opfer von Angst, Aberglauben und einem Justizsystem, das Folter als legitimes Mittel der Wahrheitsfindung betrachtete."
— Aus der Dauerausstellung des Køge Museums

Das Erbe der Hexenprozesse

Heute gedenkt Køge seiner tragischen Geschichte. Im Køge Museum gibt es eine Dauerausstellung zu den Hexenprozessen, die die Ereignisse wissenschaftlich aufarbeitet und die Opfer würdigt. Am Torvet erinnert eine Gedenktafel an die hingerichteten Frauen.

Die Hexenprozesse von Køge sind auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Historiker haben die erhaltenen Prozessakten ausgewertet und ein erschütterndes Bild der damaligen Rechtsauffassung gezeichnet. Die Geständnisse wurden unter Folter erzwungen – die Angeklagten hatten keine Chance.

Sehenswürdigkeiten in Køge

Das Rathaus (Rådhuset)

Das älteste funktionierende Rathaus Dänemarks steht seit 1552 am Torvet. Der markante Renaissancebau mit seinem Stufengiebel und dem charakteristischen Turm ist das Wahrzeichen der Stadt. Im Rathauskeller wurden einst die Angeklagten der Hexenprozesse gefangen gehalten. Heute können Besucher den Turm besteigen und einen herrlichen Blick über die Altstadt genießen. Der Eintritt ist frei.

Kirkestræde 20 – Das älteste Fachwerkhaus

Das älteste datierte Fachwerkhaus Dänemarks von 1527 ist ein Kleinod der Renaissancearchitektur. Das liebevoll restaurierte Gebäude beherbergt heute ein kleines Museum, das Einblicke in das Leben im 16. Jahrhundert gibt. Öffnungszeiten: Mai-September, Di-So 11-16 Uhr. Eintritt: 40 DKK.

Sankt Nikolai Kirche

Die imposante Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert überragt die Altstadt mit ihrem 66 Meter hohen Turm. Im Inneren beeindrucken der prächtige barocke Altar von 1652, historische Grabsteine und die kunstvollen Deckenmalereien. Die Kirche ist täglich geöffnet und ein Muss für jeden Besucher. Von Juni bis August kann der Turm bestiegen werden.

Køge Museum

Das Stadtmuseum im historischen Gebäudekomplex Nørregade 4 dokumentiert die Geschichte Køges von der Steinzeit bis heute. Besonders sehenswert ist die Abteilung zu den Hexenprozessen mit Originaldokumenten und einer eindrucksvollen Multimedia-Präsentation. Das Museum zeigt auch archäologische Funde aus der Region. Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr. Eintritt: 70 DKK, Kinder frei.

Der Hafen

Køges historischer Hafen war jahrhundertelang das wirtschaftliche Herz der Stadt. Heute ist er ein beliebtes Ausflugsziel mit Restaurants, Cafés und einem maritimen Flair. Im Sommer legen hier historische Segelschiffe an. Ein Spaziergang entlang der Kaimauer mit Blick auf die Køge Bugt ist besonders bei Sonnenuntergang empfehlenswert.

Historischer Stadtrundgang

Ein Rundgang durch Køges Altstadt führt Sie durch 700 Jahre Geschichte. Planen Sie etwa 2-3 Stunden ein, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Empfohlene Route

  1. Start: Torvet (Marktplatz) – Beginnen Sie am großen Marktplatz mit dem historischen Rathaus. Hier erhalten Sie einen ersten Eindruck von der Größe und Bedeutung der Stadt.
  2. Rathaus besichtigen – Steigen Sie den Turm hinauf für einen Panoramablick. Beachten Sie die Gedenktafel für die Opfer der Hexenprozesse.
  3. Kirkestræde – Spazieren Sie durch die Kirchenstraße zum ältesten Fachwerkhaus. Achten Sie auf die vielen historischen Details.
  4. Sankt Nikolai Kirche – Besichtigen Sie die imposante Backsteinkirche mit ihrem barocken Altar.
  5. Nørregade – Folgen Sie der Straße zum Køge Museum und tauchen Sie tiefer in die Stadtgeschichte ein.
  6. Brogade – Die alte Brückenstraße mit weiteren Fachwerkhäusern führt Sie Richtung Hafen.
  7. Ziel: Hafen – Beenden Sie Ihren Rundgang am Hafen mit einem Kaffee oder einer dänischen Spezialität.
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Markttage besuchen

Besuchen Sie Køge am Mittwoch oder Samstag zum Wochenmarkt auf dem Torvet. Frische Produkte, Blumen, Käse und Antiquitäten – ein authentisches Erlebnis fernab des Tourismus. Der Markt findet von 8-14 Uhr statt.

Anreise von Fehmarn

Køge liegt günstig zwischen Rødby und Kopenhagen und eignet sich perfekt als Zwischenstopp oder Tagesausflugsziel. Die Stadt ist ideal für Reisende, die mehr von Dänemark sehen möchten als nur die Hauptstadt.

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Fähre Puttgarden-Rødby

45 Minuten Überfahrt, Abfahrten alle 30 Minuten rund um die Uhr.

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Von Rødby nach Køge

Ca. 100 km über die E47/E55 und E20. Fahrzeit etwa 1 Stunde 10 Minuten.

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Gesamtzeit

Von Puttgarden nach Køge: Ca. 2 Stunden (inkl. Fährüberfahrt).

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Parken in Køge

Im Zentrum gibt es mehrere Parkhäuser und Parkplätze. Besonders praktisch: Der große Parkplatz am Torvet (2 Stunden kostenlos mit Parkscheibe) und das Parkhaus Torvet/Brogade. Am Wochenende ist das Parken in der gesamten Innenstadt kostenfrei.

Geschichte erleben in Køge

Kombinieren Sie den Besuch mit dem Holmegaard Glasmuseum – nur 20 Minuten südlich von Køge.

Fähre buchen

Häufige Fragen zu Køge

Für einen Rundgang durch die Altstadt mit Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten sollten Sie mindestens 2-3 Stunden einplanen. Wenn Sie auch das Køge Museum besuchen und in Ruhe durch die Gassen schlendern möchten, empfehlen wir einen halben Tag.

Die berüchtigten Hexenprozesse von Køge fanden hauptsächlich zwischen 1608 und 1615 statt. Der bekannteste Fall, der „Køge Huskors", begann 1608 und führte zur Hinrichtung von mindestens 15 Frauen. Die Prozesse waren Teil einer europaweiten Hexenhysterie.

Die Altstadt mit ihrem historischen Kopfsteinpflaster ist nur eingeschränkt barrierefrei. Die Hauptstraßen rund um den Torvet sind gut begehbar, aber einige enge Gassen und historische Gebäude sind für Rollstühle nicht zugänglich. Das Køge Museum hat einen barrierefreien Zugang.

Die beste Zeit für einen Besuch ist von Mai bis September, wenn alle Sehenswürdigkeiten geöffnet sind und das Wetter Spaziergänge durch die Altstadt angenehm macht. Besonders empfehlenswert sind die Markttage (Mittwoch und Samstag). Im Dezember lockt ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt.

Ja, das Køge Museum bietet von Juni bis August regelmäßig thematische Stadtführungen an, darunter auch Touren zu den Hexenprozessen. Die Führungen finden auf Dänisch und Englisch statt. Voranmeldung wird empfohlen. Informationen unter museumsydoestsjaelland.dk.