Motorradgeschichte zum Anfassen: Im beschaulichen Stubbekøbing an der Ostküste Falsters verbirgt sich eine der größten Motorradsammlungen Dänemarks. Über 150 historische Maschinen erzählen die Geschichte des motorisierten Zweirads – von den Anfängen bis heute.
Die Sammlung
Das Motorcykelmuseum in Stubbekøbing beherbergt eine der bedeutendsten Motorradsammlungen Skandinaviens. Über 150 historische Motorräder dokumentieren mehr als ein Jahrhundert Zweiradgeschichte – von den ersten motorisierten Fahrrädern der 1890er Jahre bis zu den Klassikern der 1970er Jahre.
Die Sammlung wurde von begeisterten Enthusiasten zusammengetragen und präsentiert sich in einer liebevoll gestalteten Ausstellung. Jedes Exponat erzählt seine eigene Geschichte, sei es von waghalsigen Rennfahrern, von Alltagsmobilität in schwierigen Zeiten oder von der technischen Innovation, die das Motorrad zu einem Symbol der Freiheit machte.
Besonders bemerkenswert ist die chronologische Aufbereitung: Besucher können die Entwicklung von den ersten motorisierten Zweirädern mit Hilfsmotor bis zu den leistungsstarken Maschinen der Nachkriegszeit nachvollziehen. Dabei werden technische Meilensteine wie der Übergang vom Riemen- zum Kettenantrieb, die Entwicklung der Vordergabel-Federung oder die Einführung der elektrischen Beleuchtung anschaulich erklärt.
Das Museum in Zahlen
Highlights der Sammlung
Nimbus-Motorräder: Die vollständigste Sammlung der dänischen Kultmarke mit allen Modellgenerationen von 1919 bis 1960.
Pioniertage: Seltene Motorräder aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, darunter frühe deutsche und britische Maschinen.
Militärmotorräder: Fahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, u.a. BMW R75 mit Seitenwagen.
Rennlegenden: Historische Rennmaschinen und Speedway-Motorräder mit dokumentierter Rennhistorie.
Motorradkultur: Originalwerbung, Zeitschriften, Werkstattausstattung und Fahrerausrüstung aus verschiedenen Epochen.
Die Nimbus-Legende
Ein besonderer Schwerpunkt des Museums liegt auf der Nimbus – Dänemarks berühmtester Motorradmarke. Die Nimbus-Motorräder wurden von 1919 bis 1960 in Kopenhagen von der Firma Fisker & Nielsen hergestellt, die auch für ihre Nilfisk-Staubsauger bekannt ist. Daher der liebevolle Spitzname „Støvsugeren" (der Staubsauger).
Das Besondere an der Nimbus war ihr 750-ccm-Vierzylindermotor mit obenliegender Nockenwelle – eine für damalige Verhältnisse hochmoderne Konstruktion. Der Motor leistete zunächst 15 PS, später bis zu 22 PS und war für seine Zuverlässigkeit legendär. Die charakteristische Konstruktion mit dem längs eingebauten Reihenmotor und der Kardanwelle machte die Nimbus zu einem echten Unikat.
Die Nimbus war mehr als ein Motorrad – sie war ein Symbol für dänische Ingenieurskunst und wurde zum treuen Begleiter ganzer Generationen.
— Aus der MuseumschronikDas Museum zeigt mehrere vollständig restaurierte Nimbus-Modelle aus verschiedenen Produktionsjahren. Besonders sehenswert ist eine originale Nimbus mit Seitenwagen aus den 1930er Jahren sowie eine seltene Polizei-Nimbus mit Spezialausrüstung.
Internationale Marken
Neben der umfangreichen Nimbus-Sammlung präsentiert das Museum eine beeindruckende Auswahl internationaler Motorradmarken. Die Exponate dokumentieren die globale Entwicklung des Motorrads und zeigen die unterschiedlichen Designphilosophien der verschiedenen Herstellerländer.
Besonders hervorzuheben sind die britischen Klassiker aus der goldenen Ära der 1950er und 1960er Jahre. BSA, Triumph und Norton dominierten damals den Weltmarkt und stehen für eine Epoche, in der britische Motorräder als Maßstab galten. Das Museum zeigt mehrere Exemplare in originalgetreuem Zustand.
Die deutschen Marken BMW, DKW und NSU sind mit wichtigen Modellen vertreten. Darunter befindet sich eine BMW R75 mit Seitenwagen aus dem Zweiten Weltkrieg sowie NSU-Rennmaschinen, die in den 1950er Jahren Weltmeisterschaften gewannen.
Aus den USA stammen klassische Harley-Davidson und Indian Motorräder, die den amerikanischen Traum der offenen Straße verkörpern. Diese großvolumigen V-Twin-Maschinen bilden einen spannenden Kontrast zu den europäischen Konstruktionen.
Geschichte des Museums
Das Motorcykelmuseum in Stubbekøbing entstand aus der Leidenschaft lokaler Sammler, die über Jahrzehnte hinweg historische Motorräder zusammentrugen und restaurierten. Was als private Sammlung begann, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Motorradmuseen Dänemarks.
Die Ausstellung ist in einem ehemaligen Industriegebäude untergebracht, das mit seinen hohen Decken und großzügigen Räumen den perfekten Rahmen für die Präsentation bietet. Die Motorräder sind thematisch und chronologisch geordnet, sodass Besucher einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Motorrads erhalten.
Das Museum wird von ehrenamtlichen Enthusiasten betrieben, die ihr Fachwissen gerne mit Besuchern teilen. Bei Führungen erfahren Gäste nicht nur technische Details, sondern auch die Geschichten hinter den Maschinen – von abenteuerlichen Erwerbungen über aufwendige Restaurierungen bis hin zu den Schicksalen ehemaliger Besitzer.
Tipp für Motorrad-Enthusiasten
Fragen Sie nach einer Führung! Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind oft selbst leidenschaftliche Motorradfahrer und können zu fast jedem Exponat spannende Anekdoten erzählen. Besonders die Restaurierungsgeschichten sind faszinierend.
Die Hafenstadt Stubbekøbing
Stubbekøbing ist eine charmante Kleinstadt mit rund 2.000 Einwohnern an der Ostküste Falsters. Die Stadt blickt auf eine reiche Geschichte als Handels- und Fischereihafen zurück und hat sich ihren maritimen Charakter bis heute bewahrt.
Der historische Hafen ist das Herzstück der Stadt. Hier legen nicht nur Freizeitboote an, sondern auch die Fähre nach Bogø – eine der letzten traditionellen Autofähren Dänemarks. Die kurze Überfahrt führt zur kleinen Insel Bogø, von der eine Brücke weiter nach Møn führt. Diese Route ist eine malerische Alternative zur Landstraße und bei Touristen sehr beliebt.
Rund um den Hafen finden sich gemütliche Cafés und Restaurants, die frischen Fisch und typisch dänische Küche servieren. Die alten Kaufmannshäuser entlang der Hauptstraße zeugen von der einstigen Bedeutung Stubbekøbings als Handelszentrum.
Insider-Tipp: Die Bogø-Fähre
Kombinieren Sie den Museumsbesuch mit einer Fährüberfahrt nach Bogø. Die kleine Autofähre „M/F Ida" verkehrt regelmäßig und bietet eine romantische 10-minütige Überfahrt. Von Bogø führt eine Brücke nach Møn – perfekt für einen Tagesausflug zu den Kreidefelsen!
Weitere Sehenswürdigkeiten in Stubbekøbing
- Stubbekøbing Kirche: Mittelalterliche Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert mit sehenswerten Fresken
- Der alte Marktplatz: Historisches Zentrum mit gut erhaltenen Bürgerhäusern
- Hafen-Promenade: Ideal für einen Spaziergang mit Blick auf die Fährverbindung nach Bogø
- Lokale Kunsthandwerker: Kleine Galerien und Ateliers in der Altstadt
Besucherinformationen
Motorcykelmuseum Stubbekøbing
Okt–April: nach Vereinbarung
Kinder (6–14): 30 DKK
Kinder unter 6: frei
Führungen auf Anfrage
Praktische Hinweise
- Barrierefreiheit: Das Museum ist weitgehend barrierefrei zugänglich. Der Großteil der Ausstellung befindet sich im Erdgeschoss.
- Fotografieren: Das Fotografieren für private Zwecke ist erlaubt und erwünscht.
- Souvenirs: Ein kleiner Museumsshop bietet Bücher, Poster und Motorrad-Memorabilia.
- Sprachen: Informationstafeln auf Dänisch und Englisch. Deutsche Besucher werden oft von zweisprachigem Personal betreut.
Häufige Fragen
Anreise von Fehmarn
Stubbekøbing liegt günstig auf dem Weg nach Møn und ist ein idealer Zwischenstopp auf der Fahrt zu den Kreidefelsen.
Fähre Puttgarden-Rødby
45 Minuten Überfahrt, Abfahrten alle 30 Minuten.
Von Rødby nach Stubbekøbing
Ca. 40 km Richtung Nordosten. Fahrzeit etwa 35 Minuten.
Gesamtzeit
Von Puttgarden: Ca. 1 Stunde 30 Minuten.
Motorräder und Kreidefelsen
Kombinieren Sie das Motorcykelmuseum mit den Kreidefelsen von Møns Klint – nur 30 Minuten weiter.
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